• Christian Langer

Auf der Mauer, auf der Lauer - Peking und die chinesische Mauer

Aktualisiert: 15. Apr 2019

China. Land Nummer Drei meiner Weltreise. Seit Wochen habe ich mich ganz besonders auf das Reich der Mitte gefreut. Bevor wir jedoch wirklich in das chinesische Leben eintauchen dauert es, denn wir stehen in Erlian nahe der mongolischen Grenze. Dieser Teil Chinas nennt sich die Innere Mongolei und tatsächlich leben hier deutlich mehr Mongolen als in der Mongolei. Auch die Wüste Gobi dominiert immer noch das Landschaftsbild.


Hungrig nach unserem zeitaufwendigen Grenzübertritt machen Johannes und ich uns auf die Suche nach etwas zu essen. Ein kleines Restaurant verkauft hausgemachtes Fast-Food und etwas Westliches zwischen den Zähnen ist nach einer Woche voller Ziegen-, Schaf- und Pferdefleisch etwas Wunderschönes. Wir sind etwas verdutzt, denn die Besitzerin spricht fließend Deutsch - sie hat ihr Studium in Freiburg abgeschlossen. Ein Land voller Überraschungen.


Da die Zuganbindung eher dürftig ist, beschließen wir eine 12-stündige Busfahrt in Kauf zu nehmen. Es ist ein Sleeper-Bus: In drei parallel verlaufenden Reihen türmen sich Stockbetten, was angenehmer als zu erwarten ist. Nur die Ankündigung, es gäbe lediglich eine Toilettenpause während der Fahrt trübt die Freude auf die Reise ein wenig. Dem ist allerdings nicht so, es gibt regelmäßige Stopps, und wir nutzen die Zeit damit, ein wenig Schlaf nachzuholen während an uns die karge Wüstenlandschaft vorbeizieht.


Um 2 Uhr nachts werden wir geweckt. Endstation. Wir haben Peking erreicht. Da jedoch die U-Bahn zwischen 22:30 und 5:00 Uhr nicht in Betrieb ist, lässt der Fahrer seine Passagiere noch ein wenig im Bett verweilen. Gegen 4:30 Uhr nehmen wir eine elektrische Rikscha in Richtung Tian'anmen.


Am Platz des Himmlischen Friedens ist jeden Morgen bei Sonnenaufgang die feierliche Fahnenzeremonie betrachten, und nachdem wir schon wach sind, wollen wir uns das nicht entgehen lassen. Danach, so der Plan, suchen wir uns ein geeignetes Hostel.


Wir erleben eine böse Überraschung, denn wir haben einen chinesischen Feiertag erwischt. Zum Qingming-Fest, dem Totengedenkfest, strömen Tausende (oder mehr) einheimische Touristen in die Hauptstadt. Wir kommen gar nicht erst zum Tian'anmen, da uns dutzende Reisebusgruppen mit China-Fähnchen den Weg versperren.


Also gehen wir nun zu dem Hostel, das wir buchen möchten. Ausgebucht. Auch alle anderen Hostelbetten sind restlos vergriffen oder maßlos überteuert. Wir schmeißen unsere Pläne um und beschließen, den Besuch der Chinesischen Mauer vorzuziehen.

Diese ist zwar an vielen Abschnitten ebenso überfüllt, aber wir finden ein vergleichsweise günstiges Hostel an einem ruhigeren Teil.



Voll bepackt machen wir uns auf den Weg zum Busbahnhof. Ich bin völlig überwältig von der Schönheit dieser Stadt: Alte Hutongs, also die kleinen Wohnviertel, grüne Parks, viele Bäume und rosa blühende Kirschbäume begegnen einem an quasi jeder Stelle. Das ist genau das Frühlingswetter, nach dem ich mich nach der sibirischen und mongolischen Einöde gesehnt habe.


Sechs Nachfragen später erfahren wir endlich, welcher Bus uns an die gewünschte Stelle bringt. Er tut es nicht. Wir nehmen ein Taxi an die Stelle, wo sich laut Google Maps das Hostel befindet. Tut es nicht.

Verloren stehen wir mitten im Nichts. In dem kleinen, baufälligen Dorf spricht quasi niemand Englisch. Zwei zahnlose Greise versuchen uns zwar etwas mitzuteilen, unser Chinesisch beschränkt sich jedoch auf "Ni Hao" und "Xiexie", also "Hallo" und "Danke".

Wir erreichen jemanden vom Hostel und werden kostenpflichtig abgeholt. Wir sind nämlich über 30 Kilometer weit entfernt. Danke, Google.


Am nächsten Tag besteigen wir gemeinsam mit dem Amerikaner Shay die Mauer. Es ist anstrengender als es aussieht, denn die Stufen sind unterschiedlich hoch und der Anstieg steil. Die Aussicht entschädigt jedoch sämtliche Anstrengung.


Während Johannes und Shay ein wenig weiter gehen, mache ich Rast, indem ich es mir auf der Mauer gemütlich mache. Einige chinesische Touristen machen heimlich Fotos von mir; scheinbar ist ein Bayer in Lederhose etwas, das man nicht allzu oft sieht. Außerdem wuchert in meinem Gesicht ein Vollbart, etwas das man im asiatischen Raum eigentlich nicht oft zu Gesicht bekommt. (Achtung, Wortspiel)


Ein älterer Chinese trägt ebenfalls traditionelle Tracht. Belustigt macht sein Sohn einige Bilder von uns. Zwei Trachtler aus verschiedenen Nationen. Einige Passanten fragen, ob sie denn mit mir ein Foto machen dürfen. So ist das in Ordnung. Allerdings passiert es auch, dass eine Familie einfach ihre Tochter auf meinen Schoß setzt und bevor ich reagieren kann, schon ein Foto geschossen und hinter dem nächsten Turm verschwunden ist.


Zurück in Peking wollen wir mit Shay eine Nacht draufmachen, allerdings ist der ganze Abend eher enttäuschend. Die Getränke sind teuer, unsere kurzen Hosen bringen uns um den Eintritt in Clubs und Shay geht mir auf die Nerven. Zum Glück boxt mir mitten in Peking jemand gegen die Schulter. Es ist Max aus Herrsching, den wir einige Zeit vorher in Ulanbaataar kennengelernt hatten. Zufälle gibt's.


Während die anderen einen Club aufsuchen, nehme ich ein Taxi zurück zum Hostel. Der Taxifahrer möchte meinen 100-Yuan-Schein (knapp 15 Euro) nicht annehmen. Ich habe allerdings keine kleineren Scheine, weshalb er mit wutentbrannt aus dem Auto wirft. Naja auf der anderen Seite habe ich dadurch Geld gespart.


Egal wo man ist, die Behörden wissen Bescheid,

Wir buchen eine weitere Nacht und nutzen die dazu gewonnene Zeit, um die Stadt zu erkunden. Die Sehenswürdigkeiten interessieren uns weniger, lediglich die einbalsamierte Leiche Maos würde ich gern sehen. Doch wie bereits bei Lenin in Moskau, ist ausgerechnet an diesem Tag das Mausoleum geschlossen.


Doch zumindest stehen wir nun auf dem Platz des Himmlischen Friedens, dem mit fast 40 Hektar Fläche größtem Platz der Welt. Über dem Eingang zur Verbotenen Stadt thront ein Porträt Maos. "Jetzt sehe ich ihn doch noch", denke ich mir.


Da man die Eintrittskarten für die Verbotene Stadt vor-reservieren muss, was uns nicht bewusst war, kommen wir nicht rein. Allerdings erfahren wir, dass ein nördlich gelegener Park eine gute Aussicht bietet. Und tatsächlich, kann man die komplette Innenstadt von oben betrachten. Ein toller Ausblick bildet den Abschluss unseres Peking Aufenthalts.


Spät nachts machen wir uns auf den Weg nach Kunming, der Hauptstadt der Yunnan Region. Dieser Bereich Chinas liegt so südlich, dass er an Laos, Vietnam und Myanmar grenzt. Lederhos'n-Wetter ist also garantiert.




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